Lebende Bäume im Wohnzimmer? ja, bitte!

Als ich eines Tages mit Rad von meinem Lager in den Bergen in die Zivilisation fuhr, um meine Vorräte aufzustocken, sah ich vor mir auf dem Wege einen Mann & eine Frau mit 2 Hunden laufen.

dort in etwa lag mein Camp

Wie ich so angerauscht kam, sah mich der schwarze Mann an, liegte die Hände vor der Brust zusammen und verneigte sich leicht.

Diese Art des Respekts gegenüber Fremden ist mir vertraut, vor allem nach intensiver Beschäftigung und Studium unseren Bewusstseins – und so stieg ich direkt in die Bremsen, um gute 20 Meter nach ihnen zum Stehen zu kommen.

Wir unterhielten uns kurz, wobei meine Französischkenntisse gerade so ausreichten. Ich wurde eingeladen, gerne jederzeit ihr Stückchen Land zu besuchen – „dort drüber, wo das Tippi, die Jurte und die Wohnwägen sind“

Es vergingen wohl so 2 Wochen, und ich fuhr wieder nahe dieser Stelle vorbei, als ich ganz spontan beschloss, vorbeizuschauen.

Es war bereits dunkel geworden, doch ich wurde herzlich empfangen und zum Essen und Bleiben über Nacht eingeladen.

Der Ort, an dem wir den geselligen, mit Musik und gutem Essen gefüllten Abend verbrachten, hat mich so glücklich gemacht, dass ich einen kleinen Einblick darin mit euch teilen möchte.

der erste Blick nach dem Eintreten

Ursprünglich lebte Zelia in dem Wohnwagen, den man rechts im Bild sieht. Als mehr Wohnraum gewünscht war, recycelte die Community gemeinsam alte Fenster, Holz & Stein als Baumaterial und verwendete Lehmerde des umliegenden Landes, um eines der gemütlichsten Häuschen zu bauen, in denen ich je die Freude hatte eingehen zu dürfen.

der hintere Teil des Wohnwagens mit kleiner Sitzecke

Tatsächlich war noch gar nicht alles fertig gestellt, als ich ankam – der Boden war eben erst am Tag zuvor gelegt worden.

durch das Dach darf viel Licht einfallen

Will man wahrlich alles containern, muss man entweder in einer Stadt (leider illegal und oft nachts) in einem Wertstoffhof nach spezifischen Teilen suchen die man benötigt, oder mit viel Geduld darauf warten, dass einem das Leben die passende Gelegenheit bietet.

In dem Fall hier hat man einige Dinge gekauft – insgesammt etwas 500€.

eine kleine Küchenecke – das Wasser kommt direkt aus der Quelle

Am schönsten fand ich, wie die Bäume respektiert und einfach in die Wohnung integriert wurden – entweder in den Wänden oder einfach frei stehend.

Zelia am einrichten… 🙂

Geheizt wird mit einem zentral platzierten Ofen, der auf einer Glasscheibe steht, unter der schöne Steine und kunstvoll gestreuter Sand liegen.

Zelia kann zurecht stolz darauf sein, nur lokale Materialien verwendet zu haben und ich freue mich darauf, sie um Weihnachten herum wieder zu besuchen 🙂


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Mein Rückzug in die Berge

Der Herbst erinnert mich immer an meine Mutter. Es war ihre liebste Jahreszeit, wenn die Welt um uns herum immer bunter wurde.

Lange habe ich wenig mit dieser Zeit anfangen können. Soviel die Tage an Sonnenlicht und -stunden  verlieren, das scheinen sie an Regen dazuzugewinnen. Auch hatte dann meist die Schule wieder begonnen, was auch nicht zur allgemeinen Beliebtheit der dritten Jahreszeit beitrug.

Doch hier in Südfrankreich, umgeben von den letzten Ausläufern der Alpen, begann auch ich voll Bewunderung die farbenprächtigen Berghänge zu bestaunen.

Mittlerweile bin ich regelrecht begeistert!

Während es früh morgens kalt ist, wärmt die aufgehende Sonne die Luft schnell auf eine angenehme Frische.

Es ist auch eine Zeit, in der ich noch Früchte direkt aus der Natur essen kann. Im wahrsten Sinne des Sprichwortes, von der Hand in den Mund.

Die Hagebutten werden endlich weich und süß. Sie ist die erste Wildpflanze dieser Gegend, von der mir Druide Julian beibrachte, dass man sie essen kann. Die kleinen Bucheckern sind ein aufwendiger, aber sehr belohnender Snack des Waldes 🙂

Ich sitze an einen Baum gelehnt – eine Kiefer mit silberfarbener Rinde – und beobachte einzelne, zur Erde trudelnde Blätter.

Vor wenigen Tagen, einem Vollmond- und auch Halloweenabend, war ich mit meinem Reiserad, einem immensen Vorrat an Nahrung und bester Laune als Reisebegleiter aufgebrochen, um den französischen Lockdown (der als Reaktion auf die zweite Welle des Covid-Virus kam) in einem Waldstück in einem entlegenen Tal zu verbringen.

Vom meinem Startpunkt Süd-Östlich Sisterons aus konnte man die Gebirgsketten, zwischen denen das Tal eingebettet lag, schon sehen. Es lebten wenige Menschen hier, und je tiefer man in das Tal gelangte, umso stärker veränderte sich die unmittelbare Umgebung.

ein Blick zurück

Was anfangs eine normale Landstraße war (eine ‚echte‘, betoniert, mit Mittel-Streifen & Leitpfosten, ohne Felsen, welche den Weg versperren) ging bald in verwaschene Feldwege und aktionreiche Schotterpisten über.

Immer weniger Häuser säumten die Straßen, wichen bunt bewachsenen Hügeln, bar liegenden Äckern und Wäldern.

Nun begannen die Wege wahrlich abenteuerlich durch den Wald zu führen, steil auf- und abwärts, die nur einzigen, nurnoch selten anzutreffenden Menschen waren Pilzsammler und Mountainbike-Fahrer.

wenn du genau hinsiehst, erkennst du das Bike – hier ist es so steil, dass man die Taschen und das Bike nacheinander hochtragen muss

Ich bin mir sicher, dass sie noch nie einen so schwer bepackten Radfahrer in dieser Gegend gesehen hatten, wie mir ihre erstaunten Blicke verrieten.

Die Berge türmten sich bereits zu beiden Seiten in die Höhe und das Tal begann enger zu werden.

Ich war bereits lange einem Fluss gefolgt , den ich bald überqueren wollte, denn ich nahm an, dass die Flussseite jenseits des Weges noch weniger besucht war.

Da Campen und ins besonderen jegliche Art von Feuer in allen französischen Wäldern verboten ist, wollte ich möglichst abseits der Wege mein Basislager aufschlagen. Außerdem wollte ich auf mehrtägigen Erkundungstouren der Gegend den Großteil meiner Ausrüstung und Vorräte ohne Angst zurücklassen können.

Ich trat also am den Fluss zu überqueren. Meine daraus gelernten Lektionen sind sie folgenden:

  1. Beim Über- oder Durchqueren von Flüssen sollte man Schuhe, Socken und evtl Hosen auf jeden Fall ausziehen, vor allem in kalten Jahreszeiten oder generell kalten Regionen der Erde – Ansonsten könnte man Stunden oder Tage damit verbringen, dass sie wieder trocken werden.
  2. Trage dein Gepäck am besten Stück für Stück hinüber, den die wenigsten Flüsse haben einen einfach zu beschreitenden Untergrund.
  3. … und ganz wichtig… gehe eine Weile am Ufer entlang. Vielleicht entdeckst du ja eine Furt oder sogar eine Brücke (in meinem Fall war es ersteres, und einige Kilometer flussaufwärts eine kaputte Version letzteres)

Das werde ich mir merken!

Für den nächsten Teil meines Retreats melde ich mich bald, bis dahin – stay in Peace 🙂


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Was liegt eigentlich südlich von Marseille?

Ich führe diesen Blog hauptsächlich, um mich in meinem Schreibstil & Webdesign zu entwickeln. Wenn du mir Feedback geben möchtest, schreib das einfach darunter als Kommentar oder ins Gästebuch – Dankeschön!

Wenn du draußen in der Hängematte schläfst und es nicht eben Winter ist, weckt dich das Tageslicht viel früher als in einem Haus – aber genau wie in deinem Bett ist es auch hier angenehm, noch ein wenig in den Tag hineinzudösen.

Wenn du wie ich in dieser Nacht nahe eines befahrbaren Wegs schläfst, wirst du dazu noch einige Autos am Morgen hören. Es lohnt sich also, noch einige Minuten weiter nach einem ruhigerem Platz zu suchen, doch in meinem Fall war die Vegetation so schmächtig, dass ich froh war überhaupt 2 nahe stehende Bäume zu finden!

Gepackt ist schnell, mit einigen routinierten Handgriffen verschwindet alles schnell in meinem geliebten Rucksack, dem Osprey Argon 70.

Füße über den Rand der Hängematte geschwungen, Socken und Schuhe an. Die Socken stülpe ich so über die Schuhe, das keine Tiere hineinkriechen können. Die Spuren von Schnecken auf den Socken zeigen, dass die Technik funktioniert.

Schlafsack in seinen Beutel gestopft, Isomatte zusammengerollt; Hängematte und Moskitonetz abgehängt, die zum Aufhängen verwendeten Schnellspanner in den `suspension bag`, eine Bannane snacken und direkt losmarschiert in Richtung der nächsten Bergkette.

Auf diesem Kurztrip hatte ich nur meine Handykamera zur Hand… glücklicherweise machen die heutzutage auch gute Bilder!

Es ist Anfang Oktober und ich befinde mich wenige Kilometer südlich von Marseille, wo sich einige mehrere hundert Meter hohe Gebirgsketten direkt neben dem Meer erheben.

Die klassischen Bäume dieser Gegend sind Kiefern. Ihre rot-graue Rinde ist tief zerfurcht, die Stäume weit aufragend oder zu bizzaren Formen gekrümmt, sie tragen immergrüne Nadeln.

Die Vegetation unter den Kiefern ist meist flach, wegen der Hitze mit flachen, dünnen Blättern versehen und oft dazu mit Dornen bestückt.

Der schwache Geruch von Rosmarin und Oregano… Im Sommer schwer in der Luft liegend, kann man ihn jetzt nur erahnen.

Während die Alpen oft in dunklen Schattierungen anzuschauen sind, reichen die Farben der Steine, Felsen und Berge hier von Weiß über hellem Grau hin zu Gelb und Orange.

Und Kristalle, die gibt es hier auch!


Ich gehe gerne abseits der menschengemachten Wege. Selbst in den abgelegensten Gegenden, oder vielleicht sogar gerade dort, findet man kleine Pfade. Vor allem, wenn das Gelände schwieriger wird, findet man einen meist nur zu erahnenden Weg, dort wo die Vegetation etwas spärlicher ist.

Meine Vermutung dazu ist folgende:

Die ansäßigen Tiere sind oft ihr ganzes Leben lang dort unterwegs gewesen. Ihre Intuition greift auf ihre gesammte in dieser Gegend angesammelte Erfahrung zurück, zusammen mit den über Millionen von Jahren ausgefeilten Instinkten, und das lässt sie schnell den sichersten und effizientesten Weg in einem bestimmten Geländeabschnitt finden.

Und das sieht man.

Wieder und wieder werden aufkeimende Pflanzen niedergetreten, Steine rutschen aus dem Weg, Regengüsse mögen Wassermassen auf ähnlichen Wegen dem Meer entgegenschicken.

Kommt dann eine Kreatur (beispielsweise ich) vorbei, die weder auf die lokale Epigenetik zurückgreifen kann, noch ihr halbes Leben in der Wildnis verbracht hat (schade eigentlich), kann sie doch erahnen, wo man sich zügig fortbewegen kann.

Nun habe ich schon einige Zeit und einige hundert Kilometer (oder schon tausende? wohl noch nicht…) auf unbefestigten Wegen verbracht, und durfte so einiges an Erfahrung sammeln – wenig jedoch in mediteranem Gelände, und so war dieser Ausflug eine herzlich willkommene Abwechslung zu der Zeit in der Großstadt Marseille, über die ich ein ander mal mehr erzählen werde.

Abgesehen von dem Drang, mich gut besohlt und mit Rucksack bepackt durch die Natur zu bewegen, dem weiten Himmel über dem Kopf, wollte ich Kristalle in ihrem natürlichen Lebensraum sehen und einen weiteren Versuch meiner bisher vollkommen erfolglosen Angelversuche starten.

Für beide dieser Dinge schien es mir das Beste, ein schwer zugängliches Stück Küste zu erforschen.

Sowohl Kristalle auch als Fische findet man wohl eher dort, wo man wenig Menschen sieht, dachte ich mir.

Meine Route sah vor, den Bergkamm nebst einer viel besuchten Bucht zu überqueren und die Hänge zum Meer herunterzusteigen.

Ich folgte einem gut ausgetretenen Pfad. Er wand sich den Berg hinauf, und während die Pflanzen anfangs viel Platz boten, kamen sie bald aufdringlich näher und versperrten bald den Weg.

Hier fängt es an, mir richtig Spaß zu machen.

Die meisten Wanderer sind hier schon umgekehrt.

Wer weitergeht, sind meist Bergsteiger, deren Vorkehrungen zum Klettern man oft einbetoniert in den Felsmassiven sieht; Jäger, deren Plastikhülsen von Patronen ich viel zu oft einsammeln muss; Backcountry-Backpacker, die gerne Orte fernab der Touristenmekkas sehen.

Auf unwegsamen und unbekannten Gelände vorranschreitend, bin ich schon bald nass vor Schweiß. Die Sonne hat in diesen Breitengraden auch im Herbst noch einige Kraft.

In diesem Stadium der Fortbewegung kommt mir kaum ein Gedanke in den Kopf.

Die Höhenmeter kosten die Beine Kraft. Jeder Atemzug pumpt kostbare Luft in die Lungenflügel, die sich hebende und senkende Brust presst an die Riemen des Rucksacks.

Jeder Schritt muss sitzen. Meine Augen scannen unablässig den Grund nach dem nächsten Platz, um meinen Fuß sicher zu setzen.

Ich finde es faszinierend, wie intensiv mich in Berge in den sich eben vollziehenden Moment versetzen.

Stürzt du, ist das Spiel zu Ende – selbst wenn du überlebst, brichst du dir warscheinlich einige Knochen, mit denen der Weg zurück zur Zivilisation sicher keinen Spaß macht.

Ich bin nicht gefallen und stand auf dem Bergkamm, die Gegend überblickend.

In meiner unmittelbaren Umgebung sah ich Formen im Gestein, die meine Aufmerksamkeit erregten. Die ersten schönen Kristalle im Fels!

Zu meiner linken eine Bucht mit sanft abfallenden Hängen, einer kleinen Siedlung und kleinem Hafen. Rechts Wildniss. Ich wand mich nach rechts.

Wer schon in den Bergen unterwegs war weiß: Bergab kann anstrengender sein als Bergauf, körperlich wie mental. Jeder Schritt nach unten beinhaltet ein Momentum deines gesammten Gewichts und der Geschwindigkeit nach unten, die deine Oberschenkel auffangen müssen. Und während man sich Bergauf oft mit den Händen vorrantastet, tut man es anders herum mit den Füßen.

Nach schätzungsweise 200 Höhenmeter abwärts war ich nahe dem Meer, und konnte das erste mal die Felsformationen nahe dem Wasser in Augenschein nehmen.

Das Bergmassiv fiel zum Meer hin ab, immer steiler, bis die letzten 10 Meter praktisch senkrecht den Wellen entgegen standen.

Nun, jetzt wusste ich auch, warum hierher niemand zum Angeln kommt!

Ich ließ meinen Rucksack sicher hinter einen Fels geklemmt liegen, schnappte mir meine Angel und begann, nach einem sicheren Weg abwärts zu suchen.

Der Wind fegte um meine Ohren und vermischte sich mit dem Rauschen der Wellen, die gegen den Stein schlugen. Langsam, Meter für Meter, stieg ich dem Wasser entgegen.

Nun war ich auf einem riesigen flachen Fels gelang, gefühlte 45° nach vorne geneigt.

Vorsichtig schaute ich, wo ich weiter kommen könnte. Hmmm… Möglich, aber keinenfalls sicher.

„…this is crazy!“ Schoß es mir durch den Kopf.

Ich hatte mich in eine Sackgasse manövriert, und die schlauste Entscheidung war es, das Meer an einer anderen Stelle zu treffen als am Grunde einer Klippe, 3 Sekunden nachdem man abgerutscht war.

Ich kletterte zurück zu meinem Rucksack und schaute mich erneut um.

Stell dir einen Seestern von oben betrachtet vor. Die einzelnen Arme seien die Felsmassive, die sich in das Meer hinausschieben. Ich war zwischen zwei Armen nahe dem Zentrum, und musste einen Arm überqueren, um in die nächste Bucht zu kommen.

Das Gelände ließ es zu, dass ich das Manöver in ca einer halben Stunde vollbracht hatte.

Die letzten 20 Meter waren wieder zum Klettern, aber auf einem völlig anderem und für mich machbarem Niveau.

Als das Meer endlich fast zum Greifen nahe war, sah ich erst, wie scharfkantig der Fels geschliffen war. So scharf, das man sich daran einfach aufschneiden konnte.

Ich schritt nahe der Kante und warf einen Blick ins Meer hinab; dort waren viele Fische. Ich sah auch überraschend Große, und mein erstes Gefühl war, dass ich sie gar nicht an Land ziehen und töten wollte…

Doch hatte ich in Marseille schon einige Fische gegessen und ich bin fest davon überzeugt, dass man nichts essen sollte was man nicht auch selbst fangen und erlegen würde!

So warf ich meine Angel aus, versuchte mich (recht geduldig, wie ich meine) mit Blinkern und Woblern. Einen guten Köder für normale Haken hatte ich keinen dabei, das wäre vermutlich die beste Option gewesen.


Über das Angeln und meine Erfahrungen damit werde ich ein anderes Mal schreiben. Für diese Mal reicht es zu wissen, das ich (wieder einmal) erfolglos war.

Mich beschäftigte noch die Frage, die kalt das Meer zu dieser Zeit war, und mich reizte die Herausforderung der zweiten Frage, wie ich trotz dieser messerscharfen Steine nach dem Baden wieder mit 10 Zehen in meine Schuhe kommen konnte.

Erstens: Kalt, aber angenehm nach einer harten Wanderung

Zweitens: langsam, vorsichtig, und nicht ohne Schnitte.

Die Sonner war bereits weit über dem Zenit, die Dämmerung würde in ca. 2h beginnen.

Ich machte mich auf den Rückweg; Der Aufstieg zum Bergkamm war eine erneute Stunde schweißtreibende Arbeit, die ich gerne tat.

hier sieht man besonders schön, wie der Wind und die Wellen den Stein formen

Falls ihr jemals nach Marseille gehen solltet, kann ich euch einen Besuch des „parc national des Calanques“ und der umliegenden Gegend empfehlen 🙂 Gutes Schuhwerk und, falls ihr auch abseits der Wege gehen wollt, starke Hosen solltet ihr dabei mitnehmen!

Beste sonnige Grüße aus dem Süden 🙂


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Berge, Pilze & ein Druide

Ich beschloss, noch nach Mitternacht aufzubrechen, um Bern zu verlassen.

Zu spät? – Nein, denn dann habe ich am nächsten Morgen garantiert schon alles gepackt, bin bereits auf dem Weg, beim Wildcampen mit der Hängematte weckt mich das Tageslicht früher als im Haus und ich laufe nicht Gefahr, den Morgen zu verschlafen 🙂

Ich saß also auf meinem neuen bike und freute mich an dem hellen Schein meiner neuen Lampe, die von dem vorderen Nabendynamo mit Energie beliefert wurde.

Hinten strahlte ein kleines rotes Rücklicht, was auch noch im Stand eine Weile leuchtet – allerdings war mein Gepäck noch im Weg.

Zuvor hatte ich, falls ich wirklich Licht benötigte, meine Kopflampe (Forclaz Trek 900) benutzt. (für langlebige, hochwertige Outdoor-Ausrüstung kann ich von Decathlon nur abraten – diese hier ist eine der Ausnahmen dieser Regel, zusammen mit Schuhen von Lowa)

LichtquelleVorteileNachteile
Dynamo + Fahrradlicht– unabhängige Energie-Quelle– der Lichtpegel ist nicht immer dort, wo du ihn gerade haben möchtest
– minimaler Energieverlust durch Reibung
Kopflampe– leuchtet immer dorthin, wo du gerade hinschaust– hält nicht ewig, muss regelmässig aufgeladen werden

Ich denke, auf besonders schwierigen Strecken bei Dunkelheit werde ich zukünftig beide Lichter benutzen. Nichts desto trotz bin ich sehr glücklich über dieses höchst wilkommene Upgrade.


Ich fuhr nicht weit in dieser Nacht. Ich wollte in einem nahe gelegenen Waldstück übernachten, das auf dem Weg (das wusste ich) und auf einem Berg lag (das wusste ich nicht).

Da durfte ich erfahren, dass bei der Menge meines Gepäcks bergauf fahren trotz neuem Fahrrad imernoch richtig anstrengend ist, und solange ich nicht auf ein motorisiertes Gefährt umsatteln würde, würde das auch so bleiben!

Ich beschloss einmal mehr, in meiner Base nahe Sisteron einmal radikal zurückzulassen, was ich nicht regelmässig verwende!


Die Strecke von Bern bis nach Vevey wollte ich noch am selben Tag erledigt haben. Es war recht eben, ich folgte den großen Straßen, bog einmal in Freiburg falsch ab und nahm einmal mehr war, das ich für längere Strecken mal einen anderen Sattel besorgen sollte…

Nahe Vevey fiel die Straße plötzlich stark ab, und mit einem Affenzahn rauschte ich in der Dunkelheit auf den Genfer See und Vevey zu. Wäre es Tag gewesen, hätte ich mich an den Bergen und der fantastischen Aussicht gütlich tun können.

wenige Tage später fuhr ich nochmal an derselben Stelle vorbei

So aber, mit pfeifendem Wind in den Ohren, war ich gefangen zwischen dem Spaß der schnellen, nicht enden wollenden Abfahrt und der nagenden Gewissheit, das ich all diese Höhenmeter später wieder nach oben gehen musste.

Als ich schließlich auf Höhe des Sees anhielt um das Ende meines Reiseabschnittes genau zu lokalisieren, wurde meine Befürchtung Gewissheit:

Geschätzte 5 km nördlich von mir, steile Weinberge hinauf, lag mein Ziel. Wäre ich schlauer gefahren oder hätte mich daran erinnert, wie steil Vevey am Genfer See liegt, hätte ich mir das sparen können.

Nun begann der lange & qualvolle Aufstieg. Leider fehlen mir noch die retorischen Mittel um nahezulegen, wie enorm schwer dieser Abschnitt war. Ich hatte bereits über 120km in unter 6h mit über 20kg an Ausrüstung & Verpflegung hinter mir, es regnete und die kleinen Wege zwischen den Weinbergen standen den Steigungen von Hausdächern in nichts nach.

Retroperspektivisch wäre es einfacher gewesen, den gewundenen Straßen bergauf zu folgen…

Obwohl ich stolz darauf bin, nur dann zu schieben wenn es nicht anders geht, war das bald der Standart. Ich kam hier stark an meine Grenzen – Teilweise waren die Wege so steil, dass ich mit aller Kraft das Fahrrad schob, dann beide Bremsen drückte, damit es nicht zurückrollte, mit meinem Körper nachzog und wieder von vorne begann, um überhaupt vorwärts zu kommen.

Die kurzen Pausen, die ich immer wieder einlegte, verlängerten sich immer mehr, während ich kurz vor der Ernte stehende Trauben aß und mit mir selbst verhandelte, wie weit ich noch gehen könnte bevor ich an Ort & Stelle schlafen gehe.

Ich muss wohl eine gute Stunde weiter gekämpft haben, als ich an einem relativ ebenen Meter eine kleine Pferdekoppel sah, nebst einem Zaun zwischen einer mit Erde gefüllten Fläche zum Parken und einem kleinen Kanal, und ich beschloss zu bleiben.

Möglichkeiten, meine Hängematte zu spannen sah ich nur eine – Zwischen dem Zaun und einem Baum in der Koppel, über dem kleinen Kanal, in dem ein noch kleineres Rinnsal floß. Beim Inspizieren der Umgebung spürte ich am rechten Knie ein leichtes Kribbeln, ähnlich dem wie ich sie von Brenneseln kenne, und schenkte ihm daher keine weitere Beachtung.

Ich stieg über die Koppel, um die Hängematte an dem Baum zu befestigen, und die Pferde stoben davon. Die andere Seite befestigte ich an dem Zaun. Ich saß Scheinwerferlicht von dem nahe gelegenen Haus, und wechselte den Modus meiner Kopflampe auf den unauffälligeren Rotlicht-Modus.

Ich schwang mich in die Hängematte und merkte, dass ich im Liegen auf Höhe meiner Oberschenkel den Rand des Kanals berührte….

Ach, das wird schon passen, dachte ich müde. Dazu kommt ja noch die Iso-Matte un-

RAAATSCH!

Plums, saß ich zwischen der gerissenen Hängematte & den Steinen im Nassen und war viel zu müde und trotzdem auch im Frieden mit allem, um mich darüber aufzuregen. Ich hatte sowieso vor, eine andere kürzere & leichtere Hängematte anzuschaffen und hatte Globetrotter eine gute Woche zuvor wegen einem Verarbeitungsfehler und einem möglichen Umstausch angeschrieben.

Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und ich legte meine Isomatte auf den weichen Grund neben dem Zaun, deckte mein Fahrrad plus Ausrüstung mit einer Plane ab und legte eine weitere neben mich, damit sie im Falle eines nächtlichen Schauers griffbereit war – die Chance schätzte ich aber niedig ein, denn der Himmel war mittlerweile klar und tatsächlich blieb ich die Nacht über trocken.


Ich schlief erstaunlich gut, die Erde war locker und weich. Trotzdem wachte ich unangenehm auf, mein Knie war deutlich geschwollen, die Berührung mit dem Boden schmerzhaft.

Es waren schon einige Autos den steilen Weg neben mir herunter gefahren, ich war aber noch zu müde zum aufstehen. Da stand bald eine Frau mit Hund in meiner Nähe, die mein gerade aufwachendes Gehirn mit ihrem gesprochenen Französisch nahezu überbeanspruchte.

Ich verstand jedoch so viel, dass es doch viel zu kalt sei und ich gerne in die Scheune gehen könnte. Ich brachte eben soviel heraus, das es mit meinem guten Schlafsack schon in Ordnung sei, ich aber gerne einen Kaffee tränke.

Ich packte mittlerweile humpelnd meine Sachen, während sie uns den Kaffee bereitete. Als ich an der Terrasse ankam, waren dort nichtnur ein Kaffee, sondern auch Brot und süßer Aufstrich bereitet! Außerdem 3 große bellende Hunde, die aber alle einen gutmütigen Eindruck machten und es auch waren.

Na guten Morgen 🙂

Von einem kurzen Austausch zwischen Iris & dem ruhigsten Hund erfuhr ich, das ihre Muttersprache deutsch ist, und daraufhin kam unser Gespräch gut in Schwung.

Es war ein Sonntag morgen, und Sie ging bald zur Kirche. Ich begleitete sie und ihren Mann gerne, da ich unter anderem immer darin interessiert bin zu erfahren, was Menschen prägt und weshalb Sie so sind, wie sie sind. Wir führten einige gute Unterhaltungen und bereiteten danach gemeinsam das Mittagessen, das wir mit toller Aussicht auf den See und seine umliegenden Berge genossen.

Ich verabschiedete mich daraufhin, nachdem wir unseren Kontakt ausgetauscht hatten, und machte wieder auf den Weg zu Julian.

Auf der nächsten Seite warten ein paar richtig grüne Bilder auf dich!

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Das Wunder von Bern

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Wir brachen von Radolfzell am Bodensee ausgeruht, mit gefüllten (Kohlenhydrat-) Energiespeichern & einem größeren Reisebuget auf.

Mit neu bespannten off-road-tauglichen Mänteln (Schwalbe Marathon Plus Tour) fuhren wir den Bodensee und den sich daraus ergießenden Rhein entlang, bis wir zum Rheinfall gelangten.

Dort, wieder auf deuschem Grund, besuchten wir nochmals eine super freundliche & hilfsbereite Fahrradwerkstatt und ich besorgte mir einen (viel zu großen) Berg an Reiseproviant, um günstig durch die teure Schweiz zu gelangen.

Nach erneutem überqueren der Grenze lagerten wir keine 10 Meter vom Rheinufer entfernt. Ohne es zu wissen, waren wir am Fuße der Befestigung Ebersberg angelangt. Der Aufstieg am nächsten Morgen war erfrischend, eine ganz andere körperliche Betätigung als das Radeln und führte über gut ausgebaute Wege durch den dichten Wald.

Hier trennten Michelle & ich uns auf, wir wollten uns nahe des Genfer Sees wieder treffen.

Ich hatte schon immer die Erfahrung gemacht, das man beim alleine Reisen ganz anders mit seiner Umgebung interagiert – der Fokus wird aufgeteilt auf die Außenwelt, deine Innere und die Interaktion damit. Mit einem Reisepartner wird immer ein Teil deiner Aufmerksamkeit und deiner Perspektive auf ihn oder sie gerichtet sein.

Ich habe das Gefühl, wenn man nur mit sich selbst unterwegs ist, sind Einladungen zum Übernachten, Frühstücken & Zeit verbingen viel häufiger als beim Reisen zu zweit oder in Gruppen – vielleicht wirkt es aber auch nur so auf mich, weil ich meistens alleine reise.

Nun, zurück zum Rheinufer.

Dort erfuhr ich an der ersten Erhebung, das ich wohl mit dem „Proviant auf Vorrat kaufen“ etwas übertrieben hatte. Eingelegte Früchte & Bananen, Dosen voll Hülsenfrüchte, Brotaufstriche, Kiloweise Nudeln & Reis, Kekse, Nüsse und natürlich auch Gas für den Kocher… Das Gewicht lässt sich für mich schwer schätzen, doch ich meine es müssen über 10 zusätzliche Kilogramm gewesen sein.

Jeder Berg, jede Anhöhe fühlte sich an, als hätte ich einen Anker hinter mir ausgeworfen, der den Boden hinter mir durchpflügt. Diesen „Anker“, der Anhänger der mich seit ca 900km begleitet hatte, sollte ich bald zurücklassen.

„He, Hallo! Ihr Anhänger da hängt aber ziemlich schief!“ – das hatte ich schon häufig zu hören bekommen und meist mit einem müden „Ja, ich weiß… trotzdem danke“ beantwortet.

Ich hatte ihn von meiner Mutter zu meinem 25sten Geburtstag geschenkt bekommen… (wenn du das hier liest, danke nochmals <3)

Er hatte schon seit den ersten Tagen unserer gemeinsamen Fahrten eine leichte nach links geneigte Schräglage, die sich mit der Zeit immer weiter verstärkte. Der Mantel wurde natürlich völlig einseitig abgenutzt – woran ich gar nicht gedacht hatte. Als der schließlich durch war, konnte ich nurnoch den Schlauch flicken, das Rad anders herum einspannen und für das Beste hoffen.

Ich konnte noch einen halben Tag damit fahren. Zu seiner Verteigung muss ich noch hinzufügen, das so ein Anhänger durch seinen tief liegenden Schwerpunkt recht angenehm zu fahren ist (wenn man sich nicht zuuuu sehr in die Kurven legt – oder bergaufwärts fährt) und der voluminöse Gitterkasten ein sehr einfaches Handling der Reiseausrüstung möglich macht.

Nun hatte ich wieder eine Entscheidung zu treffen. Was nun?

Den Mantel ersetzen, den ganzen Anhänger, oder ohne Weiterfahren?

Einen neuen Mantel zu kaufen wollte ich nicht, den damit würde ich nur das Symptom des Problems für eine Weile aus der Welt schaffen. Ich bin an mittel-langfristig funktionierenden Systemen interessiert. Einen neuen Trailer zu kaufen wäre hier, in der Schweiz, wohl einer der teuersten Orte überhaupt.

Ich lud also vorerst alles auf meinen Gepäckträger und nahm mir vor, mich in Frankreich um einen guten Anhänger zu kümmern, möglichweise auch selbst geschweißt.

Die folgenden Tage, in denen ich nach Bern fuhr, gehören definitiv zu dein anstrengendsten, die ich bisher auf dieser Reise hatte. Obwohl die meisten Kilometer flach waren, hatten mich die Höhenmeter zu Beginn und das hohe Tempo enorm ausgelaugt. Die meiste Zeit fuhr ich an der Aare entlang, dem längsten Fluss der Schweiz, der schließlich auch in den Rhein fließt.

Als ich eines Morgens an einer besonders schönen Stelle schwimmen war, traf ich eine Frau, die an meinem Camp auf mich wartete. Sie hatte mich gesehen und wollte sichergehen, das ich es auch wieder aus dem Wasser herraus schaffe.

Ich wurde zum gemütlichen Frühstück eingeladen, genoss den Kaffee, die Eier von Hühnern aus dem eigenen Garten und die Gespräche mit Tamara und ihrem Sohn Lino. Er hat bald seine Ausbildung als Fahrradmechaniker fertig und möchte dann auch reisen. Was für eine tolle Ausgangssituation, um sein Reiseleben zu beginnen!

Als ich wieder auf dem Sattel und unterwegs war, kam ich bald in die größte Mittagshitze, und suchte daraufhin nach einer passenden Möglichkeit eine produktive Pause einzulegen. Es gibt meist etwas zu tun – sich dehnen, die Schrauben am Bike (oder wie man in der Schweiz sagt, „Velo“) nachziehen, Notizen zur Reise oder seinen Gedanken machen.

Oder, man sucht Menschen, die gerne ihr Wissen oder Informationen über die Gegend preisgeben. Ich traf einen tollen Fischer, der mich nicht nur mit Tips & Tricks für Angeln bereicherte, sondern auch noch mit einem Blinker, einem Wobler und einem Schwimmer mit einigen Haken!

Schliesslich gelangte ich nach Bern, der mit vielen Anhöhen bespickten Hauptstadt der Schweiz… und das keinenfalls zu früh. Der Gepäckträger, natürlich auch ein ehemals gebrauchter, hatte inzwischen eine völlig verbogene Aluminium Leiste, mit der man die Höhe einstellen kann.. bzw konnte.

Durch die Überbelastung war sie bereits mehrmals verbogen, ich hatte sie wieder gerade geklopft oder gezogen, doch wagte ich das nicht zu oft zu tun – würde es spröde und brechen, hätte ich ein größeres Problem. Doch immer wieder musste es getan werden, wenn mein Schutzblech auf den Reifen drückte oder im schlimmsten Fall, wenn es rechts war, meine Schaltung behinderte!

Ich war also erleichtert, es überhaupt bis zu Ariel in Bern geschafft zu haben…

Müde und kaputt von der Fahrt war ich an diesem Abend recht bald schlafen gegangen, nachdem Ariel & ich noch einmal mit dem Hund next door laufen waren… und am nächsten Tag passierte etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte…

das Upgrade – bike lv. 2

Beim Besuchen von Ariels Nachbarin am Morgen lerne ich Maya, Ariels Schwester kennen. Sie lebte im selben Haus, eine Etagge höher, und wir hatten uns einmal Tags zuvor gesehen – ich hielt sie für jemand anderen und hatte sie überschwänglich begrüßt, wie es so meine Art ist, wenn ich viel Energie habe 😀

Maya ist auch eine begeisterte Velofahrerin. Ich erzähle ihr von der Rohloff-Schaltung, die ich so gerne einmal in meinem Reiserad verbauen möchte – es ist die vermutlich langlebigste, wartungsärmste und natürlich auch eine der teuersten Radnabenschaltung überhaupt… Da erzählte sie mir , dass sie sich vor nicht allzulanger Zeit ein bike mit einer Nabenschaltung und Antriebsriehmen zugelegt hatte – es war das erste mal, das ich so ein System vor mir hatte.

Ihr altes bike wollte sie gerne nach Afrika schicken. Bisher war sie zu faul gewesen, um das Reise/CityFahrrad dorthin zu bringen, wenn ich also möchte, könne ich gerne den Gepäckträger abschrauben und benutzen.

„Wenn dein Fahrrad nach Afrika geht, ich vorher den Gepäckträger abschraube und an meinem Velo montiere… Könnte stattdessen auch mein altes Rad nach Afrika und ich darf mit deinem weiterfahren? 🙂 “

Ich sollte es einfach mal ausprobieren! Schon nach den ersten 20 Metern Testfahrt hatte ich mich in den wendigen 26″er verliebt und strahlte über das ganze Gesicht!

Mayas altes Rad war von der Firma Price, mit 26″ (Zoll Radradius) Dt-Swiss-Felgen, Radnabendynamo + super Licht, Scheibenbremsen und Shimano slx 3×9 Schaltung.

Swizz Quality, Baby!

Nach einer langen & herzlichen Umarmung, holte ich mein Werkzeug und begann zu schrauben. Das Fahrrad stand lange Zeit herum, Bremsen & Schaltung sollten neu eingestellt werden, und ich übernahm vom meinem nun alten Bike

  • Das Tacho
  • 3x Flaschenhalter
  • Fahrradständer
  • Sattel
  • Vorderer Abnehmbarer Korb (der die Grundlage für eine spätere, super nützliche Modifikationen werden sollte)
  • Und die gute alte Klingel von meiner Oma

Außerdem waren die Tretlager, die Kugellager zwischen den Pedalen, durch und musste erneuert werden. Auch die wollte ich von meinem alten bike übernehmen, genauso wie den vorderen Kettenkranz – doch dafür fehlten mir die spezifischen Werkzeuge. Also ab zum Fahrradladen!

‚Der Drahtesel‘ & ‚Velafrica‘ lagen keine 3 km von mir entfernt, erstes ein Fahrradladen, letzteres eine Euphorie hervorrufende Fahrradwerkstatt mit schier endlosen Ersatzteilen, die Fahrräder für Afrika fit macht.

Im Drahtesel wollte ich nun die Tretlager und den vorderen Kettenkranz wechseln, außerdem einen neuen Hinteren (für alle die sich mit Fahrrädern auskennen, einen 9-Gang 12-36) montieren. Mir wurde gesagt, es gäbe dafür kaum Zeit & Personal, nein ich dürfe nicht selbst schrauben aus Versicherungsgründen, die üblichen Corona-bedingten Aussagen unserer Fahrradbranche in dieser Zeit.

Mit viel Überzeugungskunst und noch mehr Hartnäckigkeit wurde mir mein Wunsch schliesslich gewährt, ich konnte alle Operationen durchführen und der Tag neigte sich dem Ende zu… Schon am nächten Morgen stand ich wieder auf der Matte, diesmal in Velafrika, wo man sehr viel kooperativer mit mir umging 🙂

Diesmal wollte ich meine Gabel austauschen – ein etwas größeres Unterfangen, ohne Garantie auf Erfolg – Gabel mit Federung, 28″ und Felgenbremsen, auf einen Rahmen mit Scheibenbremsen und 26″ – konnte das gelingen?

Nun, probieren geht über studieren, ran an die Werkzeuge und losgelegt!

Es war eine längere Angelegenheit mit einigen Komplikationen, da ich noch keine Erfahrung mit Scheibenbremsen hatte. Zwischendurch dachte ich, ich muss alles wieder zurückbauen, aber die Hartnäckigkeit und Geduld zahlte sich aus und die Umwandlung gelang!

Es fiel mir jetzt auf, dass der Rahmen ja aus Aluminium ist, und ich ihn womöglich noch tauschen könnte. Gerne hätte ich einmal einen Stahlrahmen, wegen der Belastbarkeit, Elastizität und der Möglichkeit, es auch unterwegs mit dem Schweisgerät zu „flicken“. Ich rannte mit einem kleinen Magneten auf dem Gelände herum und sah nach, welche Rahmen „klicken“, denn Aluminium, Titan & Carbon sind nicht magnetisch (bzw die ersten beiden paramagnetisch), Stahl hingegen schon.

Ich fand keinen Rahmen, der für alle Komponenten gepasst hätte und war doch höchst zufrieden mit dem Upgrade meiner Zugmaschine!

Mein Bike hatte enorme an Zuverlässigkeit und Qualität gewonnen und ich bin allen beteiligten Menschen, Shops, Fahrrädern und guten Energien ehrlich & freudig dankbar <3

ps. mein altes Rad von der Fahrradoase blieb bei Volafrika und geht bald nach Afrika – machs gut! :*


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Bauen am Bodensee

Ich führe diesen Blog hauptsächlich, um mich in meinem Schreibstil & Webdesign zu entwickeln. Wenn du mir Feedback geben möchtest, schreib das einfach darunter als Kommentar oder ins Gästebuch – Dankeschön!

Wir hatten den Schwarzwald durchquert, uns mehr als 2000 Höhenmeter erkämpft und mit steilen Abfahrten belohnt.

In Freiburg angekommen, hatten wir uns einen aktiven Erholungstag reichlich verdient und nutzten die Zeit, um verradelte Kalorien wieder reinzuholen und außerdem unsere gesamte Ausrüstung durchzuorganisieren, ein Prozess, der sicherlich niemals völlig beendet sein wird.

Hier hatten wir eine Entscheidung zu treffen, eine der elementarsten und weitreichendsten, die man als Reisender zu treffen hat:

WOHIN als nächstes? WELCHEN Weg einschlagen?

  1. Das größte Zwischenziel dieser Reise, Sisteron, liegt in Südfrankreich. Frankreich liegt nur wenige Kilometer von Freiburg in Westlicher Richtung.
  2. Möglich war auch, direkt nach Süden in die Schweiz zu fahren, denn dort wollte ich mich wieder mit einem besonderen Menschen aus meinem Leben treffen – Ein Druide, der die Europäische Pflanzenwelt auf eine äußerst spannende Art & Weise kennt & nutzt. Er stach mir auf einer meiner Reisen mein erstes Tattoo und hat mich auf vielfältige Weise inspiriert.
  3. Kurz vor dem Start dieser Reise war ich für den Nabu Naturschutzbund aktiv gewesen und habe dort einen tollen Menschen wieder getroffen, den ich nun zu meinen Freunden zählen darf. Jonas wohnt am Bodensee, in der Nähe von Radolfzell, und wir hatten über ein Vorbeischauen gesprochen. Der Weg dorthin schien ein großer Umweg zu sein, und ich war sehr dazu geneigt lieber direkt nach Süd-Westen zu fahren, anstatt nach Osten.

Er meinte dazu nur: “ Du, überleg´s dir und mach, was für dich am besten ist… Aber ich würde mich schon echt freuen! :)“

Michelle wollte auch den Bodensee sehen, und so war die Entscheidung getroffen, wir würden uns nach Osten wenden. Beim Planen der Strecke sah ich, das der Feldberg – der höchste nicht-alpine Berg Deutschlands- mit einem kleinen Umweg fast auf unserer Strecke liegt. Das konnten wir uns natürlich nicht nehmen lassen und nahmen die zusätzlichen 400 Höhenmeter gerne in Kauf – vorerst…

Nach über 100 Kilometern, tollen Reisebekanntschaften, einem Sturz beim Abstieg des Feldbergs und mit einem „Quallenartig-dickem“ Knie rollten wir nach Merkelfingen ein, wo wir von Jonas mit einer Gastfreundschaft erwartet wurden, die dem eines Scheichs um nichts nachsteht!

Er überließ uns sein selbstgebautes Bett, um selbst auf der Couch zu schlafen (so sehr ich diese Geste schätze – in meiner Hängematte schlafe ich doch bisher am besten ;)), bekochte unsere hungrigen Mägen mit asiatisch angehauchtem Gemüse & Reis und während er mit Michelle eine russische Variante von „Schiffe versenken“ spielte, plauderten wir über die kommenden Tage.

Jonas werde die kommenden Tage arbeiten, die Familie eines Freundes baue eine alte Scheune zur gemütlichen, rustikalen Wohnung aus. Der Bauleiter, ein junger engagierter Mann, verwende fast ausschließlich nachhaltige Baumaterialien, wie zum Beispiel der aus Lehm bestehende Putz, den Jonas an die Wände putzt.

Begeistert fragte ich, ob ich dabei mitarbeiten könnte – und nach kürzester Zeit stand fest, das ich schon am nächsten Tag anfangen darf!

Ziemlich genau 25km und über 400 Höhenmeter, eine immer steiler werdende Strecke wurden von nun an mein morgendliches Ritual vor der Arbeit.

Gerne lernte ich so viel ich konnte über die Arbeit, eine unwirtliche Scheuen in ein trautes Heim zu verwandeln – Der Traum, einmal selbst ein Haus zu bauen auf einem Stückchen Land begleitet mich schon lange und mit jeder weiteren Erfahrung, wie man so etwas zustande bringt, komme ich dem näher.

Die nächsten Tage verputzte ich Naturputz bestehend aus Lehm, Sand, Steinen & Stroh, schliff Holzbalken, schulterte & betonierte gefühlte Tonnen von Estrich, verlegte Vulkansteine und darin die Fußbodenheizung, dämmte Wände und verputzte abends gewaltige Mengen Nudeln 😀

Michelle stieß am dritten Tag zu mir und zum Ende der Woche hingen wir unseren Hängematten in den Dachstuhl einer anderen Scheune, um uns die Kräfte raubende Anfahrt zu sparen und direkt neben unserem Einsatzort schlafen zu können.

Ich verstand mich immer besser mit unserem Bauleiter Severin, und wir verständigten uns darauf, das ich einmal bei ihm eine Ausbildung als Zimmermann machen könne – vorausgesetzt, ich brauche noch mindestens 2 Jahre um von meiner Tour nach Nepal zurückzukehren, denn solange in etwas brauche er noch um seinen Meister zu machen. Ob ich die +20.000 km in dieser Zeit schaffe?

Die Arbeit fühlte sich für mich extrem belohnend an. Ich durfte einer Familie beim Hausbau helfen, die es selbst nicht einfach hatte und sich immer näher kennen zulernen hat mein Herz erfreut. Zu Deniz, dem Vater dieser Jungen Familie, fühlte ich eine besondere Verbindung, die ich noch nicht in Worte fassen kann. Wenn du das hier liest, fühl dich umarmt 🙂 Er beschenkte uns mit einem Sack voll Proviant, neuen Hörnchen für mein Rad, aus dem Familien-Fundus gab es ein neues Handy als Ersatz für Michelles ´sterbendes´, personalisierte 3d-gedruckte Werkzeuge und beste Wünsche für die Weiterreise.

Ich wünsche ihnen allen nur das Beste und hoffe, das wir uns in glücklichen Zeiten wiedersehen – gerne wieder mit selbst gefundenen Pilzen aus dem nahen Wald 🙂


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NomArt

Man, if that really works…


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