Mein Rückzug in die Berge

Der Herbst erinnert mich immer an meine Mutter. Es war ihre liebste Jahreszeit, wenn die Welt um uns herum immer bunter wurde.

Lange habe ich wenig mit dieser Zeit anfangen können. Soviel die Tage an Sonnenlicht und -stunden  verlieren, das scheinen sie an Regen dazuzugewinnen. Auch hatte dann meist die Schule wieder begonnen, was auch nicht zur allgemeinen Beliebtheit der dritten Jahreszeit beitrug.

Doch hier in Südfrankreich, umgeben von den letzten Ausläufern der Alpen, begann auch ich voll Bewunderung die farbenprächtigen Berghänge zu bestaunen.

Mittlerweile bin ich regelrecht begeistert!

Während es früh morgens kalt ist, wärmt die aufgehende Sonne die Luft schnell auf eine angenehme Frische.

Es ist auch eine Zeit, in der ich noch Früchte direkt aus der Natur essen kann. Im wahrsten Sinne des Sprichwortes, von der Hand in den Mund.

Die Hagebutten werden endlich weich und süß. Sie ist die erste Wildpflanze dieser Gegend, von der mir Druide Julian beibrachte, dass man sie essen kann. Die kleinen Bucheckern sind ein aufwendiger, aber sehr belohnender Snack des Waldes 🙂

Ich sitze an einen Baum gelehnt – eine Kiefer mit silberfarbener Rinde – und beobachte einzelne, zur Erde trudelnde Blätter.

Vor wenigen Tagen, einem Vollmond- und auch Halloweenabend, war ich mit meinem Reiserad, einem immensen Vorrat an Nahrung und bester Laune als Reisebegleiter aufgebrochen, um den französischen Lockdown (der als Reaktion auf die zweite Welle des Covid-Virus kam) in einem Waldstück in einem entlegenen Tal zu verbringen.

Vom meinem Startpunkt Süd-Östlich Sisterons aus konnte man die Gebirgsketten, zwischen denen das Tal eingebettet lag, schon sehen. Es lebten wenige Menschen hier, und je tiefer man in das Tal gelangte, umso stärker veränderte sich die unmittelbare Umgebung.

ein Blick zurück

Was anfangs eine normale Landstraße war (eine ‚echte‘, betoniert, mit Mittel-Streifen & Leitpfosten, ohne Felsen, welche den Weg versperren) ging bald in verwaschene Feldwege und aktionreiche Schotterpisten über.

Immer weniger Häuser säumten die Straßen, wichen bunt bewachsenen Hügeln, bar liegenden Äckern und Wäldern.

Nun begannen die Wege wahrlich abenteuerlich durch den Wald zu führen, steil auf- und abwärts, die nur einzigen, nurnoch selten anzutreffenden Menschen waren Pilzsammler und Mountainbike-Fahrer.

wenn du genau hinsiehst, erkennst du das Bike – hier ist es so steil, dass man die Taschen und das Bike nacheinander hochtragen muss

Ich bin mir sicher, dass sie noch nie einen so schwer bepackten Radfahrer in dieser Gegend gesehen hatten, wie mir ihre erstaunten Blicke verrieten.

Die Berge türmten sich bereits zu beiden Seiten in die Höhe und das Tal begann enger zu werden.

Ich war bereits lange einem Fluss gefolgt , den ich bald überqueren wollte, denn ich nahm an, dass die Flussseite jenseits des Weges noch weniger besucht war.

Da Campen und ins besonderen jegliche Art von Feuer in allen französischen Wäldern verboten ist, wollte ich möglichst abseits der Wege mein Basislager aufschlagen. Außerdem wollte ich auf mehrtägigen Erkundungstouren der Gegend den Großteil meiner Ausrüstung und Vorräte ohne Angst zurücklassen können.

Ich trat also am den Fluss zu überqueren. Meine daraus gelernten Lektionen sind sie folgenden:

  1. Beim Über- oder Durchqueren von Flüssen sollte man Schuhe, Socken und evtl Hosen auf jeden Fall ausziehen, vor allem in kalten Jahreszeiten oder generell kalten Regionen der Erde – Ansonsten könnte man Stunden oder Tage damit verbringen, dass sie wieder trocken werden.
  2. Trage dein Gepäck am besten Stück für Stück hinüber, den die wenigsten Flüsse haben einen einfach zu beschreitenden Untergrund.
  3. … und ganz wichtig… gehe eine Weile am Ufer entlang. Vielleicht entdeckst du ja eine Furt oder sogar eine Brücke (in meinem Fall war es ersteres, und einige Kilometer flussaufwärts eine kaputte Version letzteres)

Das werde ich mir merken!

Für den nächsten Teil meines Retreats melde ich mich bald, bis dahin – stay in Peace 🙂


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