Was liegt eigentlich südlich von Marseille?

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Wenn du draußen in der Hängematte schläfst und es nicht eben Winter ist, weckt dich das Tageslicht viel früher als in einem Haus – aber genau wie in deinem Bett ist es auch hier angenehm, noch ein wenig in den Tag hineinzudösen.

Wenn du wie ich in dieser Nacht nahe eines befahrbaren Wegs schläfst, wirst du dazu noch einige Autos am Morgen hören. Es lohnt sich also, noch einige Minuten weiter nach einem ruhigerem Platz zu suchen, doch in meinem Fall war die Vegetation so schmächtig, dass ich froh war überhaupt 2 nahe stehende Bäume zu finden!

Gepackt ist schnell, mit einigen routinierten Handgriffen verschwindet alles schnell in meinem geliebten Rucksack, dem Osprey Argon 70.

Füße über den Rand der Hängematte geschwungen, Socken und Schuhe an. Die Socken stülpe ich so über die Schuhe, das keine Tiere hineinkriechen können. Die Spuren von Schnecken auf den Socken zeigen, dass die Technik funktioniert.

Schlafsack in seinen Beutel gestopft, Isomatte zusammengerollt; Hängematte und Moskitonetz abgehängt, die zum Aufhängen verwendeten Schnellspanner in den `suspension bag`, eine Bannane snacken und direkt losmarschiert in Richtung der nächsten Bergkette.

Auf diesem Kurztrip hatte ich nur meine Handykamera zur Hand… glücklicherweise machen die heutzutage auch gute Bilder!

Es ist Anfang Oktober und ich befinde mich wenige Kilometer südlich von Marseille, wo sich einige mehrere hundert Meter hohe Gebirgsketten direkt neben dem Meer erheben.

Die klassischen Bäume dieser Gegend sind Kiefern. Ihre rot-graue Rinde ist tief zerfurcht, die Stäume weit aufragend oder zu bizzaren Formen gekrümmt, sie tragen immergrüne Nadeln.

Die Vegetation unter den Kiefern ist meist flach, wegen der Hitze mit flachen, dünnen Blättern versehen und oft dazu mit Dornen bestückt.

Der schwache Geruch von Rosmarin und Oregano… Im Sommer schwer in der Luft liegend, kann man ihn jetzt nur erahnen.

Während die Alpen oft in dunklen Schattierungen anzuschauen sind, reichen die Farben der Steine, Felsen und Berge hier von Weiß über hellem Grau hin zu Gelb und Orange.

Und Kristalle, die gibt es hier auch!


Ich gehe gerne abseits der menschengemachten Wege. Selbst in den abgelegensten Gegenden, oder vielleicht sogar gerade dort, findet man kleine Pfade. Vor allem, wenn das Gelände schwieriger wird, findet man einen meist nur zu erahnenden Weg, dort wo die Vegetation etwas spärlicher ist.

Meine Vermutung dazu ist folgende:

Die ansäßigen Tiere sind oft ihr ganzes Leben lang dort unterwegs gewesen. Ihre Intuition greift auf ihre gesammte in dieser Gegend angesammelte Erfahrung zurück, zusammen mit den über Millionen von Jahren ausgefeilten Instinkten, und das lässt sie schnell den sichersten und effizientesten Weg in einem bestimmten Geländeabschnitt finden.

Und das sieht man.

Wieder und wieder werden aufkeimende Pflanzen niedergetreten, Steine rutschen aus dem Weg, Regengüsse mögen Wassermassen auf ähnlichen Wegen dem Meer entgegenschicken.

Kommt dann eine Kreatur (beispielsweise ich) vorbei, die weder auf die lokale Epigenetik zurückgreifen kann, noch ihr halbes Leben in der Wildnis verbracht hat (schade eigentlich), kann sie doch erahnen, wo man sich zügig fortbewegen kann.

Nun habe ich schon einige Zeit und einige hundert Kilometer (oder schon tausende? wohl noch nicht…) auf unbefestigten Wegen verbracht, und durfte so einiges an Erfahrung sammeln – wenig jedoch in mediteranem Gelände, und so war dieser Ausflug eine herzlich willkommene Abwechslung zu der Zeit in der Großstadt Marseille, über die ich ein ander mal mehr erzählen werde.

Abgesehen von dem Drang, mich gut besohlt und mit Rucksack bepackt durch die Natur zu bewegen, dem weiten Himmel über dem Kopf, wollte ich Kristalle in ihrem natürlichen Lebensraum sehen und einen weiteren Versuch meiner bisher vollkommen erfolglosen Angelversuche starten.

Für beide dieser Dinge schien es mir das Beste, ein schwer zugängliches Stück Küste zu erforschen.

Sowohl Kristalle auch als Fische findet man wohl eher dort, wo man wenig Menschen sieht, dachte ich mir.

Meine Route sah vor, den Bergkamm nebst einer viel besuchten Bucht zu überqueren und die Hänge zum Meer herunterzusteigen.

Ich folgte einem gut ausgetretenen Pfad. Er wand sich den Berg hinauf, und während die Pflanzen anfangs viel Platz boten, kamen sie bald aufdringlich näher und versperrten bald den Weg.

Hier fängt es an, mir richtig Spaß zu machen.

Die meisten Wanderer sind hier schon umgekehrt.

Wer weitergeht, sind meist Bergsteiger, deren Vorkehrungen zum Klettern man oft einbetoniert in den Felsmassiven sieht; Jäger, deren Plastikhülsen von Patronen ich viel zu oft einsammeln muss; Backcountry-Backpacker, die gerne Orte fernab der Touristenmekkas sehen.

Auf unwegsamen und unbekannten Gelände vorranschreitend, bin ich schon bald nass vor Schweiß. Die Sonne hat in diesen Breitengraden auch im Herbst noch einige Kraft.

In diesem Stadium der Fortbewegung kommt mir kaum ein Gedanke in den Kopf.

Die Höhenmeter kosten die Beine Kraft. Jeder Atemzug pumpt kostbare Luft in die Lungenflügel, die sich hebende und senkende Brust presst an die Riemen des Rucksacks.

Jeder Schritt muss sitzen. Meine Augen scannen unablässig den Grund nach dem nächsten Platz, um meinen Fuß sicher zu setzen.

Ich finde es faszinierend, wie intensiv mich in Berge in den sich eben vollziehenden Moment versetzen.

Stürzt du, ist das Spiel zu Ende – selbst wenn du überlebst, brichst du dir warscheinlich einige Knochen, mit denen der Weg zurück zur Zivilisation sicher keinen Spaß macht.

Ich bin nicht gefallen und stand auf dem Bergkamm, die Gegend überblickend.

In meiner unmittelbaren Umgebung sah ich Formen im Gestein, die meine Aufmerksamkeit erregten. Die ersten schönen Kristalle im Fels!

Zu meiner linken eine Bucht mit sanft abfallenden Hängen, einer kleinen Siedlung und kleinem Hafen. Rechts Wildniss. Ich wand mich nach rechts.

Wer schon in den Bergen unterwegs war weiß: Bergab kann anstrengender sein als Bergauf, körperlich wie mental. Jeder Schritt nach unten beinhaltet ein Momentum deines gesammten Gewichts und der Geschwindigkeit nach unten, die deine Oberschenkel auffangen müssen. Und während man sich Bergauf oft mit den Händen vorrantastet, tut man es anders herum mit den Füßen.

Nach schätzungsweise 200 Höhenmeter abwärts war ich nahe dem Meer, und konnte das erste mal die Felsformationen nahe dem Wasser in Augenschein nehmen.

Das Bergmassiv fiel zum Meer hin ab, immer steiler, bis die letzten 10 Meter praktisch senkrecht den Wellen entgegen standen.

Nun, jetzt wusste ich auch, warum hierher niemand zum Angeln kommt!

Ich ließ meinen Rucksack sicher hinter einen Fels geklemmt liegen, schnappte mir meine Angel und begann, nach einem sicheren Weg abwärts zu suchen.

Der Wind fegte um meine Ohren und vermischte sich mit dem Rauschen der Wellen, die gegen den Stein schlugen. Langsam, Meter für Meter, stieg ich dem Wasser entgegen.

Nun war ich auf einem riesigen flachen Fels gelang, gefühlte 45° nach vorne geneigt.

Vorsichtig schaute ich, wo ich weiter kommen könnte. Hmmm… Möglich, aber keinenfalls sicher.

„…this is crazy!“ Schoß es mir durch den Kopf.

Ich hatte mich in eine Sackgasse manövriert, und die schlauste Entscheidung war es, das Meer an einer anderen Stelle zu treffen als am Grunde einer Klippe, 3 Sekunden nachdem man abgerutscht war.

Ich kletterte zurück zu meinem Rucksack und schaute mich erneut um.

Stell dir einen Seestern von oben betrachtet vor. Die einzelnen Arme seien die Felsmassive, die sich in das Meer hinausschieben. Ich war zwischen zwei Armen nahe dem Zentrum, und musste einen Arm überqueren, um in die nächste Bucht zu kommen.

Das Gelände ließ es zu, dass ich das Manöver in ca einer halben Stunde vollbracht hatte.

Die letzten 20 Meter waren wieder zum Klettern, aber auf einem völlig anderem und für mich machbarem Niveau.

Als das Meer endlich fast zum Greifen nahe war, sah ich erst, wie scharfkantig der Fels geschliffen war. So scharf, das man sich daran einfach aufschneiden konnte.

Ich schritt nahe der Kante und warf einen Blick ins Meer hinab; dort waren viele Fische. Ich sah auch überraschend Große, und mein erstes Gefühl war, dass ich sie gar nicht an Land ziehen und töten wollte…

Doch hatte ich in Marseille schon einige Fische gegessen und ich bin fest davon überzeugt, dass man nichts essen sollte was man nicht auch selbst fangen und erlegen würde!

So warf ich meine Angel aus, versuchte mich (recht geduldig, wie ich meine) mit Blinkern und Woblern. Einen guten Köder für normale Haken hatte ich keinen dabei, das wäre vermutlich die beste Option gewesen.


Über das Angeln und meine Erfahrungen damit werde ich ein anderes Mal schreiben. Für diese Mal reicht es zu wissen, das ich (wieder einmal) erfolglos war.

Mich beschäftigte noch die Frage, die kalt das Meer zu dieser Zeit war, und mich reizte die Herausforderung der zweiten Frage, wie ich trotz dieser messerscharfen Steine nach dem Baden wieder mit 10 Zehen in meine Schuhe kommen konnte.

Erstens: Kalt, aber angenehm nach einer harten Wanderung

Zweitens: langsam, vorsichtig, und nicht ohne Schnitte.

Die Sonner war bereits weit über dem Zenit, die Dämmerung würde in ca. 2h beginnen.

Ich machte mich auf den Rückweg; Der Aufstieg zum Bergkamm war eine erneute Stunde schweißtreibende Arbeit, die ich gerne tat.

hier sieht man besonders schön, wie der Wind und die Wellen den Stein formen

Falls ihr jemals nach Marseille gehen solltet, kann ich euch einen Besuch des „parc national des Calanques“ und der umliegenden Gegend empfehlen 🙂 Gutes Schuhwerk und, falls ihr auch abseits der Wege gehen wollt, starke Hosen solltet ihr dabei mitnehmen!

Beste sonnige Grüße aus dem Süden 🙂


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