Berge, Pilze & ein Druide

Ich beschloss, noch nach Mitternacht aufzubrechen, um Bern zu verlassen.

Zu spät? – Nein, denn dann habe ich am nächsten Morgen garantiert schon alles gepackt, bin bereits auf dem Weg, beim Wildcampen mit der Hängematte weckt mich das Tageslicht früher als im Haus und ich laufe nicht Gefahr, den Morgen zu verschlafen 🙂

Ich saß also auf meinem neuen bike und freute mich an dem hellen Schein meiner neuen Lampe, die von dem vorderen Nabendynamo mit Energie beliefert wurde.

Hinten strahlte ein kleines rotes Rücklicht, was auch noch im Stand eine Weile leuchtet – allerdings war mein Gepäck noch im Weg.

Zuvor hatte ich, falls ich wirklich Licht benötigte, meine Kopflampe (Forclaz Trek 900) benutzt. (für langlebige, hochwertige Outdoor-Ausrüstung kann ich von Decathlon nur abraten – diese hier ist eine der Ausnahmen dieser Regel, zusammen mit Schuhen von Lowa)

LichtquelleVorteileNachteile
Dynamo + Fahrradlicht– unabhängige Energie-Quelle– der Lichtpegel ist nicht immer dort, wo du ihn gerade haben möchtest
– minimaler Energieverlust durch Reibung
Kopflampe– leuchtet immer dorthin, wo du gerade hinschaust– hält nicht ewig, muss regelmässig aufgeladen werden

Ich denke, auf besonders schwierigen Strecken bei Dunkelheit werde ich zukünftig beide Lichter benutzen. Nichts desto trotz bin ich sehr glücklich über dieses höchst wilkommene Upgrade.


Ich fuhr nicht weit in dieser Nacht. Ich wollte in einem nahe gelegenen Waldstück übernachten, das auf dem Weg (das wusste ich) und auf einem Berg lag (das wusste ich nicht).

Da durfte ich erfahren, dass bei der Menge meines Gepäcks bergauf fahren trotz neuem Fahrrad imernoch richtig anstrengend ist, und solange ich nicht auf ein motorisiertes Gefährt umsatteln würde, würde das auch so bleiben!

Ich beschloss einmal mehr, in meiner Base nahe Sisteron einmal radikal zurückzulassen, was ich nicht regelmässig verwende!


Die Strecke von Bern bis nach Vevey wollte ich noch am selben Tag erledigt haben. Es war recht eben, ich folgte den großen Straßen, bog einmal in Freiburg falsch ab und nahm einmal mehr war, das ich für längere Strecken mal einen anderen Sattel besorgen sollte…

Nahe Vevey fiel die Straße plötzlich stark ab, und mit einem Affenzahn rauschte ich in der Dunkelheit auf den Genfer See und Vevey zu. Wäre es Tag gewesen, hätte ich mich an den Bergen und der fantastischen Aussicht gütlich tun können.

wenige Tage später fuhr ich nochmal an derselben Stelle vorbei

So aber, mit pfeifendem Wind in den Ohren, war ich gefangen zwischen dem Spaß der schnellen, nicht enden wollenden Abfahrt und der nagenden Gewissheit, das ich all diese Höhenmeter später wieder nach oben gehen musste.

Als ich schließlich auf Höhe des Sees anhielt um das Ende meines Reiseabschnittes genau zu lokalisieren, wurde meine Befürchtung Gewissheit:

Geschätzte 5 km nördlich von mir, steile Weinberge hinauf, lag mein Ziel. Wäre ich schlauer gefahren oder hätte mich daran erinnert, wie steil Vevey am Genfer See liegt, hätte ich mir das sparen können.

Nun begann der lange & qualvolle Aufstieg. Leider fehlen mir noch die retorischen Mittel um nahezulegen, wie enorm schwer dieser Abschnitt war. Ich hatte bereits über 120km in unter 6h mit über 20kg an Ausrüstung & Verpflegung hinter mir, es regnete und die kleinen Wege zwischen den Weinbergen standen den Steigungen von Hausdächern in nichts nach.

Retroperspektivisch wäre es einfacher gewesen, den gewundenen Straßen bergauf zu folgen…

Obwohl ich stolz darauf bin, nur dann zu schieben wenn es nicht anders geht, war das bald der Standart. Ich kam hier stark an meine Grenzen – Teilweise waren die Wege so steil, dass ich mit aller Kraft das Fahrrad schob, dann beide Bremsen drückte, damit es nicht zurückrollte, mit meinem Körper nachzog und wieder von vorne begann, um überhaupt vorwärts zu kommen.

Die kurzen Pausen, die ich immer wieder einlegte, verlängerten sich immer mehr, während ich kurz vor der Ernte stehende Trauben aß und mit mir selbst verhandelte, wie weit ich noch gehen könnte bevor ich an Ort & Stelle schlafen gehe.

Ich muss wohl eine gute Stunde weiter gekämpft haben, als ich an einem relativ ebenen Meter eine kleine Pferdekoppel sah, nebst einem Zaun zwischen einer mit Erde gefüllten Fläche zum Parken und einem kleinen Kanal, und ich beschloss zu bleiben.

Möglichkeiten, meine Hängematte zu spannen sah ich nur eine – Zwischen dem Zaun und einem Baum in der Koppel, über dem kleinen Kanal, in dem ein noch kleineres Rinnsal floß. Beim Inspizieren der Umgebung spürte ich am rechten Knie ein leichtes Kribbeln, ähnlich dem wie ich sie von Brenneseln kenne, und schenkte ihm daher keine weitere Beachtung.

Ich stieg über die Koppel, um die Hängematte an dem Baum zu befestigen, und die Pferde stoben davon. Die andere Seite befestigte ich an dem Zaun. Ich saß Scheinwerferlicht von dem nahe gelegenen Haus, und wechselte den Modus meiner Kopflampe auf den unauffälligeren Rotlicht-Modus.

Ich schwang mich in die Hängematte und merkte, dass ich im Liegen auf Höhe meiner Oberschenkel den Rand des Kanals berührte….

Ach, das wird schon passen, dachte ich müde. Dazu kommt ja noch die Iso-Matte un-

RAAATSCH!

Plums, saß ich zwischen der gerissenen Hängematte & den Steinen im Nassen und war viel zu müde und trotzdem auch im Frieden mit allem, um mich darüber aufzuregen. Ich hatte sowieso vor, eine andere kürzere & leichtere Hängematte anzuschaffen und hatte Globetrotter eine gute Woche zuvor wegen einem Verarbeitungsfehler und einem möglichen Umstausch angeschrieben.

Der Regen hatte mittlerweile aufgehört und ich legte meine Isomatte auf den weichen Grund neben dem Zaun, deckte mein Fahrrad plus Ausrüstung mit einer Plane ab und legte eine weitere neben mich, damit sie im Falle eines nächtlichen Schauers griffbereit war – die Chance schätzte ich aber niedig ein, denn der Himmel war mittlerweile klar und tatsächlich blieb ich die Nacht über trocken.


Ich schlief erstaunlich gut, die Erde war locker und weich. Trotzdem wachte ich unangenehm auf, mein Knie war deutlich geschwollen, die Berührung mit dem Boden schmerzhaft.

Es waren schon einige Autos den steilen Weg neben mir herunter gefahren, ich war aber noch zu müde zum aufstehen. Da stand bald eine Frau mit Hund in meiner Nähe, die mein gerade aufwachendes Gehirn mit ihrem gesprochenen Französisch nahezu überbeanspruchte.

Ich verstand jedoch so viel, dass es doch viel zu kalt sei und ich gerne in die Scheune gehen könnte. Ich brachte eben soviel heraus, das es mit meinem guten Schlafsack schon in Ordnung sei, ich aber gerne einen Kaffee tränke.

Ich packte mittlerweile humpelnd meine Sachen, während sie uns den Kaffee bereitete. Als ich an der Terrasse ankam, waren dort nichtnur ein Kaffee, sondern auch Brot und süßer Aufstrich bereitet! Außerdem 3 große bellende Hunde, die aber alle einen gutmütigen Eindruck machten und es auch waren.

Na guten Morgen 🙂

Von einem kurzen Austausch zwischen Iris & dem ruhigsten Hund erfuhr ich, das ihre Muttersprache deutsch ist, und daraufhin kam unser Gespräch gut in Schwung.

Es war ein Sonntag morgen, und Sie ging bald zur Kirche. Ich begleitete sie und ihren Mann gerne, da ich unter anderem immer darin interessiert bin zu erfahren, was Menschen prägt und weshalb Sie so sind, wie sie sind. Wir führten einige gute Unterhaltungen und bereiteten danach gemeinsam das Mittagessen, das wir mit toller Aussicht auf den See und seine umliegenden Berge genossen.

Ich verabschiedete mich daraufhin, nachdem wir unseren Kontakt ausgetauscht hatten, und machte wieder auf den Weg zu Julian.

Auf der nächsten Seite warten ein paar richtig grüne Bilder auf dich!

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