Das Wunder von Bern

Ich führe diesen Blog hauptsächlich, um mich in meinem Schreibstil & Webdesign zu entwickeln. Wenn du mir Feedback geben möchtest, schreib das einfach darunter als Kommentar oder ins Gästebuch – Dankeschön!

Wir brachen von Radolfzell am Bodensee ausgeruht, mit gefüllten (Kohlenhydrat-) Energiespeichern & einem größeren Reisebuget auf.

Mit neu bespannten off-road-tauglichen Mänteln (Schwalbe Marathon Plus Tour) fuhren wir den Bodensee und den sich daraus ergießenden Rhein entlang, bis wir zum Rheinfall gelangten.

Dort, wieder auf deuschem Grund, besuchten wir nochmals eine super freundliche & hilfsbereite Fahrradwerkstatt und ich besorgte mir einen (viel zu großen) Berg an Reiseproviant, um günstig durch die teure Schweiz zu gelangen.

Nach erneutem überqueren der Grenze lagerten wir keine 10 Meter vom Rheinufer entfernt. Ohne es zu wissen, waren wir am Fuße der Befestigung Ebersberg angelangt. Der Aufstieg am nächsten Morgen war erfrischend, eine ganz andere körperliche Betätigung als das Radeln und führte über gut ausgebaute Wege durch den dichten Wald.

Hier trennten Michelle & ich uns auf, wir wollten uns nahe des Genfer Sees wieder treffen.

Ich hatte schon immer die Erfahrung gemacht, das man beim alleine Reisen ganz anders mit seiner Umgebung interagiert – der Fokus wird aufgeteilt auf die Außenwelt, deine Innere und die Interaktion damit. Mit einem Reisepartner wird immer ein Teil deiner Aufmerksamkeit und deiner Perspektive auf ihn oder sie gerichtet sein.

Ich habe das Gefühl, wenn man nur mit sich selbst unterwegs ist, sind Einladungen zum Übernachten, Frühstücken & Zeit verbingen viel häufiger als beim Reisen zu zweit oder in Gruppen – vielleicht wirkt es aber auch nur so auf mich, weil ich meistens alleine reise.

Nun, zurück zum Rheinufer.

Dort erfuhr ich an der ersten Erhebung, das ich wohl mit dem „Proviant auf Vorrat kaufen“ etwas übertrieben hatte. Eingelegte Früchte & Bananen, Dosen voll Hülsenfrüchte, Brotaufstriche, Kiloweise Nudeln & Reis, Kekse, Nüsse und natürlich auch Gas für den Kocher… Das Gewicht lässt sich für mich schwer schätzen, doch ich meine es müssen über 10 zusätzliche Kilogramm gewesen sein.

Jeder Berg, jede Anhöhe fühlte sich an, als hätte ich einen Anker hinter mir ausgeworfen, der den Boden hinter mir durchpflügt. Diesen „Anker“, der Anhänger der mich seit ca 900km begleitet hatte, sollte ich bald zurücklassen.

„He, Hallo! Ihr Anhänger da hängt aber ziemlich schief!“ – das hatte ich schon häufig zu hören bekommen und meist mit einem müden „Ja, ich weiß… trotzdem danke“ beantwortet.

Ich hatte ihn von meiner Mutter zu meinem 25sten Geburtstag geschenkt bekommen… (wenn du das hier liest, danke nochmals <3)

Er hatte schon seit den ersten Tagen unserer gemeinsamen Fahrten eine leichte nach links geneigte Schräglage, die sich mit der Zeit immer weiter verstärkte. Der Mantel wurde natürlich völlig einseitig abgenutzt – woran ich gar nicht gedacht hatte. Als der schließlich durch war, konnte ich nurnoch den Schlauch flicken, das Rad anders herum einspannen und für das Beste hoffen.

Ich konnte noch einen halben Tag damit fahren. Zu seiner Verteigung muss ich noch hinzufügen, das so ein Anhänger durch seinen tief liegenden Schwerpunkt recht angenehm zu fahren ist (wenn man sich nicht zuuuu sehr in die Kurven legt – oder bergaufwärts fährt) und der voluminöse Gitterkasten ein sehr einfaches Handling der Reiseausrüstung möglich macht.

Nun hatte ich wieder eine Entscheidung zu treffen. Was nun?

Den Mantel ersetzen, den ganzen Anhänger, oder ohne Weiterfahren?

Einen neuen Mantel zu kaufen wollte ich nicht, den damit würde ich nur das Symptom des Problems für eine Weile aus der Welt schaffen. Ich bin an mittel-langfristig funktionierenden Systemen interessiert. Einen neuen Trailer zu kaufen wäre hier, in der Schweiz, wohl einer der teuersten Orte überhaupt.

Ich lud also vorerst alles auf meinen Gepäckträger und nahm mir vor, mich in Frankreich um einen guten Anhänger zu kümmern, möglichweise auch selbst geschweißt.

Die folgenden Tage, in denen ich nach Bern fuhr, gehören definitiv zu dein anstrengendsten, die ich bisher auf dieser Reise hatte. Obwohl die meisten Kilometer flach waren, hatten mich die Höhenmeter zu Beginn und das hohe Tempo enorm ausgelaugt. Die meiste Zeit fuhr ich an der Aare entlang, dem längsten Fluss der Schweiz, der schließlich auch in den Rhein fließt.

Als ich eines Morgens an einer besonders schönen Stelle schwimmen war, traf ich eine Frau, die an meinem Camp auf mich wartete. Sie hatte mich gesehen und wollte sichergehen, das ich es auch wieder aus dem Wasser herraus schaffe.

Ich wurde zum gemütlichen Frühstück eingeladen, genoss den Kaffee, die Eier von Hühnern aus dem eigenen Garten und die Gespräche mit Tamara und ihrem Sohn Lino. Er hat bald seine Ausbildung als Fahrradmechaniker fertig und möchte dann auch reisen. Was für eine tolle Ausgangssituation, um sein Reiseleben zu beginnen!

Als ich wieder auf dem Sattel und unterwegs war, kam ich bald in die größte Mittagshitze, und suchte daraufhin nach einer passenden Möglichkeit eine produktive Pause einzulegen. Es gibt meist etwas zu tun – sich dehnen, die Schrauben am Bike (oder wie man in der Schweiz sagt, „Velo“) nachziehen, Notizen zur Reise oder seinen Gedanken machen.

Oder, man sucht Menschen, die gerne ihr Wissen oder Informationen über die Gegend preisgeben. Ich traf einen tollen Fischer, der mich nicht nur mit Tips & Tricks für Angeln bereicherte, sondern auch noch mit einem Blinker, einem Wobler und einem Schwimmer mit einigen Haken!

Schliesslich gelangte ich nach Bern, der mit vielen Anhöhen bespickten Hauptstadt der Schweiz… und das keinenfalls zu früh. Der Gepäckträger, natürlich auch ein ehemals gebrauchter, hatte inzwischen eine völlig verbogene Aluminium Leiste, mit der man die Höhe einstellen kann.. bzw konnte.

Durch die Überbelastung war sie bereits mehrmals verbogen, ich hatte sie wieder gerade geklopft oder gezogen, doch wagte ich das nicht zu oft zu tun – würde es spröde und brechen, hätte ich ein größeres Problem. Doch immer wieder musste es getan werden, wenn mein Schutzblech auf den Reifen drückte oder im schlimmsten Fall, wenn es rechts war, meine Schaltung behinderte!

Ich war also erleichtert, es überhaupt bis zu Ariel in Bern geschafft zu haben…

Müde und kaputt von der Fahrt war ich an diesem Abend recht bald schlafen gegangen, nachdem Ariel & ich noch einmal mit dem Hund next door laufen waren… und am nächsten Tag passierte etwas, womit ich gar nicht gerechnet hatte…

das Upgrade – bike lv. 2

Beim Besuchen von Ariels Nachbarin am Morgen lerne ich Maya, Ariels Schwester kennen. Sie lebte im selben Haus, eine Etagge höher, und wir hatten uns einmal Tags zuvor gesehen – ich hielt sie für jemand anderen und hatte sie überschwänglich begrüßt, wie es so meine Art ist, wenn ich viel Energie habe 😀

Maya ist auch eine begeisterte Velofahrerin. Ich erzähle ihr von der Rohloff-Schaltung, die ich so gerne einmal in meinem Reiserad verbauen möchte – es ist die vermutlich langlebigste, wartungsärmste und natürlich auch eine der teuersten Radnabenschaltung überhaupt… Da erzählte sie mir , dass sie sich vor nicht allzulanger Zeit ein bike mit einer Nabenschaltung und Antriebsriehmen zugelegt hatte – es war das erste mal, das ich so ein System vor mir hatte.

Ihr altes bike wollte sie gerne nach Afrika schicken. Bisher war sie zu faul gewesen, um das Reise/CityFahrrad dorthin zu bringen, wenn ich also möchte, könne ich gerne den Gepäckträger abschrauben und benutzen.

„Wenn dein Fahrrad nach Afrika geht, ich vorher den Gepäckträger abschraube und an meinem Velo montiere… Könnte stattdessen auch mein altes Rad nach Afrika und ich darf mit deinem weiterfahren? 🙂 “

Ich sollte es einfach mal ausprobieren! Schon nach den ersten 20 Metern Testfahrt hatte ich mich in den wendigen 26″er verliebt und strahlte über das ganze Gesicht!

Mayas altes Rad war von der Firma Price, mit 26″ (Zoll Radradius) Dt-Swiss-Felgen, Radnabendynamo + super Licht, Scheibenbremsen und Shimano slx 3×9 Schaltung.

Swizz Quality, Baby!

Nach einer langen & herzlichen Umarmung, holte ich mein Werkzeug und begann zu schrauben. Das Fahrrad stand lange Zeit herum, Bremsen & Schaltung sollten neu eingestellt werden, und ich übernahm vom meinem nun alten Bike

  • Das Tacho
  • 3x Flaschenhalter
  • Fahrradständer
  • Sattel
  • Vorderer Abnehmbarer Korb (der die Grundlage für eine spätere, super nützliche Modifikationen werden sollte)
  • Und die gute alte Klingel von meiner Oma

Außerdem waren die Tretlager, die Kugellager zwischen den Pedalen, durch und musste erneuert werden. Auch die wollte ich von meinem alten bike übernehmen, genauso wie den vorderen Kettenkranz – doch dafür fehlten mir die spezifischen Werkzeuge. Also ab zum Fahrradladen!

‚Der Drahtesel‘ & ‚Velafrica‘ lagen keine 3 km von mir entfernt, erstes ein Fahrradladen, letzteres eine Euphorie hervorrufende Fahrradwerkstatt mit schier endlosen Ersatzteilen, die Fahrräder für Afrika fit macht.

Im Drahtesel wollte ich nun die Tretlager und den vorderen Kettenkranz wechseln, außerdem einen neuen Hinteren (für alle die sich mit Fahrrädern auskennen, einen 9-Gang 12-36) montieren. Mir wurde gesagt, es gäbe dafür kaum Zeit & Personal, nein ich dürfe nicht selbst schrauben aus Versicherungsgründen, die üblichen Corona-bedingten Aussagen unserer Fahrradbranche in dieser Zeit.

Mit viel Überzeugungskunst und noch mehr Hartnäckigkeit wurde mir mein Wunsch schliesslich gewährt, ich konnte alle Operationen durchführen und der Tag neigte sich dem Ende zu… Schon am nächten Morgen stand ich wieder auf der Matte, diesmal in Velafrika, wo man sehr viel kooperativer mit mir umging 🙂

Diesmal wollte ich meine Gabel austauschen – ein etwas größeres Unterfangen, ohne Garantie auf Erfolg – Gabel mit Federung, 28″ und Felgenbremsen, auf einen Rahmen mit Scheibenbremsen und 26″ – konnte das gelingen?

Nun, probieren geht über studieren, ran an die Werkzeuge und losgelegt!

Es war eine längere Angelegenheit mit einigen Komplikationen, da ich noch keine Erfahrung mit Scheibenbremsen hatte. Zwischendurch dachte ich, ich muss alles wieder zurückbauen, aber die Hartnäckigkeit und Geduld zahlte sich aus und die Umwandlung gelang!

Es fiel mir jetzt auf, dass der Rahmen ja aus Aluminium ist, und ich ihn womöglich noch tauschen könnte. Gerne hätte ich einmal einen Stahlrahmen, wegen der Belastbarkeit, Elastizität und der Möglichkeit, es auch unterwegs mit dem Schweisgerät zu „flicken“. Ich rannte mit einem kleinen Magneten auf dem Gelände herum und sah nach, welche Rahmen „klicken“, denn Aluminium, Titan & Carbon sind nicht magnetisch (bzw die ersten beiden paramagnetisch), Stahl hingegen schon.

Ich fand keinen Rahmen, der für alle Komponenten gepasst hätte und war doch höchst zufrieden mit dem Upgrade meiner Zugmaschine!

Mein Bike hatte enorme an Zuverlässigkeit und Qualität gewonnen und ich bin allen beteiligten Menschen, Shops, Fahrrädern und guten Energien ehrlich & freudig dankbar <3

ps. mein altes Rad von der Fahrradoase blieb bei Volafrika und geht bald nach Afrika – machs gut! :*


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