Ein langer Ritt

Seit dem letzten Eintrag ist viel passiert. Ich bin zum ersten Mal komplett alleine unterwegs gewesen!

Etwa 30 Kilometer vor Zürich trennten Nicolai und ich uns auf, nachdem wir morgens auf einen Aussichtspunkt in der Nähe unseres aufgeschlagenen Lagers gewandert sind. Dort standen einige Bunker und wir konnte die wunderschöne Berglandschaft betrachten. Es sah beinahe aus wie in einem Regenwald, wegen der vielen kleinen Schlingpflanzen.

Nach dem Abstieg haben wir gepackt und verabschiedeten uns von einander. Nicolai schwang sich auf sein Rad, während ich noch meine Sachen zu Ende organisierte und dann auch die Reise nach Zürich antrat.

Zürich zu erreichen gestaltete sich nicht als schwierig und nach kurzer Zeit traf ich in der Großstadt ein. Ich navigierte vor allem mit der Sonne, was eine komplett neue und interessante Methode für mich war. Die Stadt lag genau im Süden vom Übernachtungsort aus, weshalb es ziemlich einfach war – ich musste nur genau auf die Sonne zufahren 🙂

Ich wollte das besetzte Haus im Kochareal besuchen und fragte mich durch, bis ein älterer Herr mit einem wissenden Lächeln auf den Lippen mir den Weg wies.

Dort angekommen traf ich auf zwei Jungs, die das Haus nicht gesquated hatten, aber dort bei einem Theaterstück geholfen hatten. Wir redeten miteinander und sie luden mich auf einer Feier im Park ‚Letten‘ ein. Wir sprachen vor allem Spanisch was für mich eine Erleichterung war, denn Schweizerisch war definitiv ein Rätsel für mich, das ich unterschätzt hatte.

Auf der Feier lernte ich drei junge Leute kennen, bei denen ich die nächsten paar Tage verbrachte. Ich hatte vor arbeiten zu gehen, es ergab sich jedoch nichts konkretes, weshalb ich nach vier Tagen voll mit Feiern, Essen und Ausflügen an Wasserfälle, den Zürisee und eine Wanderung auf der Uetliberg, meine Sachen wieder packte und mich bereit für die Weiterfahrt machte.

Abstieg vom Uetliberg

Die Zeit bei Hakim, Sofia und Rudolfo war schön, ich wurde sofort als Teil ihrer WG betrachtet und wir tauschten uns viel über Gott und die Welt aus. Jedoch genoss ich es ein bisschen zu sehr Internet zu haben und all‘ die Bequemlichkeiten, die die Zivilisation so mit sich bringt . Als ich anfing zu packen merkte ich wieder, wie sehr mir das Reisen gefehlt hatte.

Mein nächstes Ziel war Bern, wo Nicolai und ich uns wieder treffen wollten bei einem Bekannten von ihm, den er vor einigen Jahren beim Trampen gelernt hatte – Ariel.

Auf dem Weg dorthin hatte ich noch eine kurze Bekanntschaft mit einem jungen Mann, der seit 2013 unterwegs ist. Sein Name ist Antony und es hat mich extrem beeindruckt, dass er lediglich einen kleinen Rucksack mit hatte. Sonst nichts! Mir kamen mein überladenes Fahrrad und meine vielen Klamotten mehr als zu viel vor und ich nahm mir vor bei meiner nächsten Reise um mindestens die Hälfte zu reduzieren. (Wer interessiert ist mal bei ihm vorbeizusehen, das ist sein insta.

Ich fuhr 130 Kilometer von einem kleinen Wald hinter Zürich (Teufels Keller, ein Naturschutzgebiet, welches seit 1999 besteht) aus bis Bern. Insgesamt verbrachte ich an dem Tag 8 1/2 Stunden im Sattel. Nur kurz machte ich Pausen, um mein Tacho zu richten, zu essen, oder um meine Arme bis über die Armbeugen im kalten Brunnenwasser (es gibt sehr viele Brunnen in der Schweiz) zu versenken und meine Wasserflasche wieder aufzufüllen.

Als ich nun abends in Bern bei Ariel ankam war ich (wie ziemlich oft auf dieser Reise) mehr als positiv überrascht. Unser Gastgeber stellte sich als einer der offensten, herzlichsten und liebenswürdigstem Menschen, die ich je kennen lernen durfte, heraus. Bei abendlichem Musikkonzert bestehend aus Trommeln, Rasseln und Gitarre spielen unterhielt man sich – es war eine sehr schöne Atmosphäre.

Das nächste große Ziel für mich ist die Überquerung der Alpen, das habe ich neu entschieden. Mein Respekt für die Kolosse, die sich vor mir aus dem Boden erheben ist gewaltig…

Ich schicke gute Vibes an das Universum, damit es mir mein Rad auf über 2000 Höhenmter nicht zerlegt und ich es heile bis nach Italien schaffe!

Bis dann ✨


Posted in Allgemein by with no comments yet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

%d Bloggern gefällt das: