Bauen am Bodensee

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Wir hatten den Schwarzwald durchquert, uns mehr als 2000 Höhenmeter erkämpft und mit steilen Abfahrten belohnt.

In Freiburg angekommen, hatten wir uns einen aktiven Erholungstag reichlich verdient und nutzten die Zeit, um verradelte Kalorien wieder reinzuholen und außerdem unsere gesamte Ausrüstung durchzuorganisieren, ein Prozess, der sicherlich niemals völlig beendet sein wird.

Hier hatten wir eine Entscheidung zu treffen, eine der elementarsten und weitreichendsten, die man als Reisender zu treffen hat:

WOHIN als nächstes? WELCHEN Weg einschlagen?

  1. Das größte Zwischenziel dieser Reise, Sisteron, liegt in Südfrankreich. Frankreich liegt nur wenige Kilometer von Freiburg in Westlicher Richtung.
  2. Möglich war auch, direkt nach Süden in die Schweiz zu fahren, denn dort wollte ich mich wieder mit einem besonderen Menschen aus meinem Leben treffen – Ein Druide, der die Europäische Pflanzenwelt auf eine äußerst spannende Art & Weise kennt & nutzt. Er stach mir auf einer meiner Reisen mein erstes Tattoo und hat mich auf vielfältige Weise inspiriert.
  3. Kurz vor dem Start dieser Reise war ich für den Nabu Naturschutzbund aktiv gewesen und habe dort einen tollen Menschen wieder getroffen, den ich nun zu meinen Freunden zählen darf. Jonas wohnt am Bodensee, in der Nähe von Radolfzell, und wir hatten über ein Vorbeischauen gesprochen. Der Weg dorthin schien ein großer Umweg zu sein, und ich war sehr dazu geneigt lieber direkt nach Süd-Westen zu fahren, anstatt nach Osten.

Er meinte dazu nur: “ Du, überleg´s dir und mach, was für dich am besten ist… Aber ich würde mich schon echt freuen! :)“

Michelle wollte auch den Bodensee sehen, und so war die Entscheidung getroffen, wir würden uns nach Osten wenden. Beim Planen der Strecke sah ich, das der Feldberg – der höchste nicht-alpine Berg Deutschlands- mit einem kleinen Umweg fast auf unserer Strecke liegt. Das konnten wir uns natürlich nicht nehmen lassen und nahmen die zusätzlichen 400 Höhenmeter gerne in Kauf – vorerst…

Nach über 100 Kilometern, tollen Reisebekanntschaften, einem Sturz beim Abstieg des Feldbergs und mit einem „Quallenartig-dickem“ Knie rollten wir nach Merkelfingen ein, wo wir von Jonas mit einer Gastfreundschaft erwartet wurden, die dem eines Scheichs um nichts nachsteht!

Er überließ uns sein selbstgebautes Bett, um selbst auf der Couch zu schlafen (so sehr ich diese Geste schätze – in meiner Hängematte schlafe ich doch bisher am besten ;)), bekochte unsere hungrigen Mägen mit asiatisch angehauchtem Gemüse & Reis und während er mit Michelle eine russische Variante von „Schiffe versenken“ spielte, plauderten wir über die kommenden Tage.

Jonas werde die kommenden Tage arbeiten, die Familie eines Freundes baue eine alte Scheune zur gemütlichen, rustikalen Wohnung aus. Der Bauleiter, ein junger engagierter Mann, verwende fast ausschließlich nachhaltige Baumaterialien, wie zum Beispiel der aus Lehm bestehende Putz, den Jonas an die Wände putzt.

Begeistert fragte ich, ob ich dabei mitarbeiten könnte – und nach kürzester Zeit stand fest, das ich schon am nächsten Tag anfangen darf!

Ziemlich genau 25km und über 400 Höhenmeter, eine immer steiler werdende Strecke wurden von nun an mein morgendliches Ritual vor der Arbeit.

Gerne lernte ich so viel ich konnte über die Arbeit, eine unwirtliche Scheuen in ein trautes Heim zu verwandeln – Der Traum, einmal selbst ein Haus zu bauen auf einem Stückchen Land begleitet mich schon lange und mit jeder weiteren Erfahrung, wie man so etwas zustande bringt, komme ich dem näher.

Die nächsten Tage verputzte ich Naturputz bestehend aus Lehm, Sand, Steinen & Stroh, schliff Holzbalken, schulterte & betonierte gefühlte Tonnen von Estrich, verlegte Vulkansteine und darin die Fußbodenheizung, dämmte Wände und verputzte abends gewaltige Mengen Nudeln 😀

Michelle stieß am dritten Tag zu mir und zum Ende der Woche hingen wir unseren Hängematten in den Dachstuhl einer anderen Scheune, um uns die Kräfte raubende Anfahrt zu sparen und direkt neben unserem Einsatzort schlafen zu können.

Ich verstand mich immer besser mit unserem Bauleiter Severin, und wir verständigten uns darauf, das ich einmal bei ihm eine Ausbildung als Zimmermann machen könne – vorausgesetzt, ich brauche noch mindestens 2 Jahre um von meiner Tour nach Nepal zurückzukehren, denn solange in etwas brauche er noch um seinen Meister zu machen. Ob ich die +20.000 km in dieser Zeit schaffe?

Die Arbeit fühlte sich für mich extrem belohnend an. Ich durfte einer Familie beim Hausbau helfen, die es selbst nicht einfach hatte und sich immer näher kennen zulernen hat mein Herz erfreut. Zu Deniz, dem Vater dieser Jungen Familie, fühlte ich eine besondere Verbindung, die ich noch nicht in Worte fassen kann. Wenn du das hier liest, fühl dich umarmt 🙂 Er beschenkte uns mit einem Sack voll Proviant, neuen Hörnchen für mein Rad, aus dem Familien-Fundus gab es ein neues Handy als Ersatz für Michelles ´sterbendes´, personalisierte 3d-gedruckte Werkzeuge und beste Wünsche für die Weiterreise.

Ich wünsche ihnen allen nur das Beste und hoffe, das wir uns in glücklichen Zeiten wiedersehen – gerne wieder mit selbst gefundenen Pilzen aus dem nahen Wald 🙂


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